Die Empore in unserer Dorfkirche

In der mittelalterlichen Feldsteinkirche war im Westen des Kirchenschiffs die freitragende Patronatsloge angebracht, die über die jetzige Turmtreppe begehbar war. Heute ist sie ein baulicher Bestandteil der Empore. Der Mittelteil der damaligen Patronatsloge war balkonartig vorgezogen und die beiden Seitenteile um ca. einen halben Meter zurückgesetzt.

Hans Georg III. von Ribbeck veranlasste 1680 bei der umfassenden Umgestaltung der Kirche das Vorziehen der beiden Seitenteile, so dass nun eine einheitliche Front gebildet werden konnte, die durch eine künstlerisch gestaltete Brüstung abgeschlossen wird. Die zehn architektonisch gegliederten Felder dieser Brüstung enthalten Bibelverse.

Der Querbalken unterhalb davon trägt die Inschrift:

Anno 1680. hat Herr Hanß George von Ribbeck, des H.(eiligen) Stiffts zu Brandenburg Dechand diese Kirche erweitern und also außbauen, u.(nd) die Canßell und dieses Kohr mahlen laßen.“

In der Folgezeit diente die Empore nicht nur als Patronatsloge, sondern beherbergte auch eine große Orgel und bot dem Kirchenchor Platz für seine Auftritte. Leider waren, wie man heute weiß,  bei der baulichen Umgestaltung die tragenden Elemente für die neue Last nicht ausreichend ausgelegt worden.

Der Querbalken oberhalb der Brüstungsfelder trägt ebenfalls eine Inschrift:

Dieses Chor ist von dem Kirchenpatron Herrn Heinrich Berger zur Aufstellung dieser Orgel hergegeben im Jahre 1851.“

Heinrich Berger ließ eine neue Patronatsloge an der Nordwand des Kirchenschiffs bauen, die oberhalb der Brautpforte auf zwei Säulen ruhte. Erreichbar war sie durch eine heute zugemauerte Tür in der Ostwand und eine Treppe. Nach 1890 ließ Otto Wollank die Patronatsloge an ihren heutigen Standort im Altarraum versetzen.

1929 wurde auf der Empore unsere heutige Taschenladenorgel mit zwei Manualen, Pedal und 20 Registern von der Firma Alexander Schuke in Potsdam gebaut. Der Orgelprospekt wurde im selben Jahr geschaffen. 2009 wurde die Orgel restauriert.

2015 wurde festgestellt, dass die im Westen das Kirchenschiff abgrenzende Fachwerkwand sowohl die Drucklast der Empore als auch einen Teil des Turms zu tragen hat. Infolge von Witterungseinflüssen und der erhöhten Drucklast sind die wandtragenden Holzschweller mittlerweile teilweise verrottet. Aufgrund der festgestellten Mängel ist eine konstruktive und künstlerische Restaurierung der Empore notwendig geworden. Zurzeit wird intensiv an der Lösung dieser großen Aufgabe gearbeitet. Als eine der ersten Baumaßnahmen werden neben dem Austausch der Holzschweller die Gefache der Fachwerkwand neu ausgemauert. Dazu muss für einige Zeit der Turmeingang zur Kirche geschlossen werden. Die Restaurierungsarbeiten beginnen Anfang 2016 und werden etliche Monate in Anspruch nehmen. Es ist ein großer

finanzieller Aufwand nötig, um sowohl die statische als auch die künstlerische Restaurierung durchführen zu können. Wir hoffen, dass wir mit Hilfe von Gemeindegliedern und Freunden unserer schönen Kirche diese Aufgabe bewältigen werden.

Text:    Eva Dittmann-Hachen

Fotos:  Michael Stettberger