Gedanken unter der Kanzel

Liebe Leserinnen und Leser!

Dieses Zitat aus dem Lukasevangelium steht, für alle Predigthörer sichtbar, vorn auf der Kanzel unserer Dorfkirche. Die reich verzierte barocke Ausstattung im Innenraum der Kirche bietet ja im Allgemeinen viel Anschauung. Wenn die Worte des Predigers, der Predigerin einen einmal nicht erreichen in Herzen und Verstand, dann kann man immer noch die Engelsdarstellungen zählen, die verschiedenen Farbnuancen der alten Farbtöne bewundern oder eben die alten Buchstaben entziffern und darüber nachsinnen. „Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pfort eingehet.“ Warum eigentlich? Wohin führt überhaupt die Pforte? Und was hat dieser Spruch gerade auf der Vorderseite der Kanzel für eine Bedeutung? Das frage ich mich, wenn ich da so sitze. Durch eine Tür oder Pforte zu gehen, ist normaler Weise ja nicht so sonderlich schwierig. Da der Spruch mich aber auffordert, danach zu „ringen“, wird wohl keine gewöhnliche Tür damit gemeint sein. Und in der Tat ist das Jesuswort in Lukas 13 ein Bild, das uns mitten im Leben auf das Ende verweist. Allgemein bekannt war Jesu Hörern die Vorstellung von den zwei Wegen, zwischen denen wir im Leben wählen. Nur einer führt zur engen Pforte. Sie ist der Eingang zum Paradies. Wenn mich mein Weg zu dieser Pforte führt, werde ich im Sterben bei Gott sein und das ewige Leben haben. Von dieser Hoffnung ließen sich die Adressaten des Evangeliums leiten und, viele Generationen nach ihnen, auch die Predigthörer zum Ende des 17. Jahrhunderts. Auch sie waren offenbar bereit, ihre Lebensentscheidungen unter der Perspektive zu bedenken, ob sie Gottes Wort nicht widersprächen und dem Wohl ihres Nächsten. Denn nur eine Seele, die den Nächsten zu lieben vermag, verschenkt sich ungeachtet der Sorge um sich selbst. Sie findet die enge Pforte, die zu Gott führt. Diese Vorstellungen, das eigene Lebensende betreffend, passen sehr gut in unsere Kirche, die auch eine Begräbnisstätte für die „von Ribbecks“ war, den Stiftern von Kanzel & Co.  Hier vor Gott gedachten sie ihrer eigenen Endlichkeit und zogen Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln aus der Wortverkündigung. Davon zeugen die Inschriften und kleinen Spruchfelder in unserer Kirche. Und wie ein kleines Memo lese ich auch den Spruch aus dem Lukasevangelium, gleich vorn auf der Kanzel: „Wenn du die Kirche verlässt und dich der Alltag wieder einholt, verlier das Ziel nicht aus dem Auge! Denke daran, dass Du die enge Pforte finden willst!“

Für das tägliche Ringen aber wünsche ich Ihnen und mir Gottes guten Geist!

 

Ihre Pfarrerin Gundula Zachow