Gedanken zum Monatsspruch Januar 2018

von Moritz Gröning

„Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren.“
(Dtn 5,14)
„Gott sei Dank! Wenigstens am 3. Advent Zeit für Weihnachtseinkäufe, Verkaufsoffener Sonntag. Und gut, dass der Klempner am Weihnachtstag gekommen ist, sonst hätten wir mit der Hand abwaschen müssen.“ Oder: „Ich würde gern zur Kirche kommen, muss aber Sonntag arbeiten. Und die Hausaufgaben der Kinder, Englisch, Mathe, Religion ...“
Kommt Ihnen das bekannt vor? Hand auf’s Herz, an wie vielen Sonntagen gab es gute Gründe, nicht in die Kirche zu gehen, nicht Zeit mit der Familie zu verbringen, zu arbeiten (auch wenn Sie nicht shoppen waren)?
Nun kann man das weniger streng sehen. Paulus stand dem Sabbatgebot kritisch gegenüber. Sich ans Gesetz zu klammern, war für ihn Rückfall in die Knechtschaft, von der er sich durch das Evangelium gelöst fand. Er stellt frei, ob man den Feiertag hält oder nicht – „Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt.“ (Röm 14, 5) Außerdem, das Sabbatgebot gilt ja wörtlich nur für das Volk Israel.
Also – kein schlechtes Gewissen, wenn es mit Kirche mal nicht klappt? Ja. Sich zu martern, weil man das „rituelle Gesetz“ nicht einhält, sonntags um 10.30 Uhr in der Kirche zu sein, ist kein guter Weg.
Also – egal, ich brauche nicht in die Kirche? Sonntagsarbeit ist OK? Nein. Der Sonntagsgottesdienst war zwar ursprünglich nicht Teil des Sabbats, aber der Sonntag wurde nicht umsonst vor 1.700 Jahren Feiertag. Menschen brauchen einen Tag zum Durchatmen. Und der Bezug zum Sabbat ist da: „Es ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes.“ (Dtn. 5, 13) Und wenn Jesus sagt: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht“ (Mk 2, 27), gibt er ihn nicht der Beliebigkeit preis, im Gegenteil.
Warum aber der Sabbat, der Ruhetag, zu beachten ist, wird schon in der Bibel verschieden begründet:
Der Monatsspruch ist Teil der Rede im Ostjordanland, in der Moses, ein Mensch, die Israeliten an die lang zurückliegende Gabe der „Zehn Worte“ am Sinai erinnert. Als Grund für den Sabbat sagt er: „Gedenke, dass du Sklave warst im Land Ägypten und dass dich der HERR, dein Gott, mit starker Hand … von dort herausgeführt hat. Darum hat es dir der HERR, dein Gott, geboten, den Sabbat zu begehen.“ Es um Gedenken und Dank für die Befreiung. Gott ist den Menschen übergeordnet.
Am Sinai, im Buch Exodus, nennt Gott einen ganz anderen Grund: „Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht …, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.“ (Ex. 20, 11). Es geht um das Ruhen von der Schöpfung. Der Mensch soll als Ebenbild Gottes den Sabbat heiligen, wie Gott ihn geheiligt hat. Gott und Mensch werden parallel gesetzt.
Die ethische Begründung Moses‘ stellt auf den Menschen ab, richtet sich aber nur an das Volk Israel. Die rituelle Begründung Gottes stellt auf Gott ab, bezieht sich auf die Schöpfung, also alle Menschen.
Was gilt für uns? Einen Hinweis gibt es an anderer Stelle: „Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich unter ihnen wohne.“ (Ex. 25, 8) Hier wird deutlich: Es gibt das eine nicht ohne das andere. Menschen nicht ohne Gott, Gott nicht ohne Menschen, Zwischenmenschliches nicht ohne Gott. Das Heiligtum soll unter den Menschen sein wie die Kirche im Dorf. Natürlich ist Gott nicht an einen Ort gebunden, weder in der Bibel noch in Groß Glienicke. Wir sollen Gott einen Ort in unserer Mitte einräumen, physisch und innerlich.
Gott Platz einräumen, damit er unter uns ist. Dann wird auch klar, dass das Evangelium Jesu kein „Iota“ vom Gesetz des Ruhetags nimmt, wir aber zugleich frei sind. Der Feiertag, Sabbat oder Sonntag, ist Zeit für Gott und Mitmenschen, um Gottes und Menschen willen.
Und nicht nur für uns selbst, auch für Kinder, Tiere, Fremde. Den Klempnernotdienst, der doch nicht so nötig ist, die Kinder, die noch üben müssen: Alle sollen ruhen. Moses hat nicht einen Ruhetag versprochen, sondern Gleichheit am Ruhetag: „Auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen gleichwie du.“ Das wurde leider im Monatsspruch weggelassen, ist aber wichtig: So unterschiedlich unser Schicksal ist, am Ruhetag sind wir alle gleich.
In diesem Sinne der Wunsch für 2018: Zeit für Kirche, für Gott, für Mitmenschen, gleich zu gleich.

Und herzlich willkommen im Neuen Jahr in der Dorfkirche Groß Glienicke!