Gedanken zur Monatslosung im Juli

von Moritz Gröning

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!“ (Hosea 10, 12)

Der Juli kommt. Die Ernte beginnt auf den Feldern um uns herum. Es wird sich zeigen, wie gut sie ist. Der Erfolg hängt von vielem ab. Manches kann der Landwirt beeinflussen, wie die Wahl des richtigen Saatgutes für den Boden. Anderes ist kaum beeinflussbar – wieviel und wann wird es regnen? Aber selbst dann ist die Kunst des Landwirts gefragt. Den richtigen Zeitpunkt für Saat, Ernte und Pflügen zu wählen, sorgfältig zu beobachten und dann beherzt zu handeln, ist eine Kunst für sich.

Und so ist Erntezeit eben auch Zeit, über das Pflügen nachzudenken und die nächste Saat. Das gilt für den Landwirt, aber eben auch für uns andere Menschen in dem, wie wir miteinander umgehen. Ganz besonders für die mit Verantwortung für andere, aber auch für jeden einzelnen. Wir können vieles nicht beeinflussen, das Handeln anderer Menschen, Schicksalsschläge und und und.

Was wir aber können, ist zu überlegen, was wir säen und wann und wie wir ernten und wie wir sonst versuchen können, möglichst gute Frucht hervorzubringen. Der Prophet Hosea hat – inmitten unzähliger zorniger Worte über die Untaten seiner Zeit – ein ganz praktisches Bild gegeben.

Sät Euch zur Gerechtigkeit“ so der wörtliche Text – hier geht es nicht um Phrasendreschen von „sozialer Gerechtigkeit“. „Zedakah“ ist Wohltat gegenüber dem anderen, eine ganz konkrete Handlungspflicht. Es ist kein Umverteilen durch den Staat, sondern aktives Geben im Bewusstsein, dass es richtig ist. – Und dann „Ernten nach dem Maß der Liebe“, der „Zuwendung“. Auch hier ist jeder einzelne angesprochen. Es geht darum, dem anderen mehr Zuwendung zu geben als eigentlich geboten. Es ist völlig in Ordnung, einen Teil der Ernte für sich selbst zu nutzen, aber eben nach dem Maß der Liebe. Lasst uns unsere Mitmenschen im Blick behalten. – Und schließlich das Pflügen: Neues Land urbar machen, nicht die alten Furchen nachziehen, die sich unfruchtbar sind. Kreativ sein im Umgang miteinander, neue Quellen auftun. All dies ist eine Kunst für sich.

Hosea gibt uns noch einen Hinweis, wie das gehen kann. „Es ist Zeit, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt.“ Es ist Zeit, Gott zu suchen, zu studieren, damit er regnen lasse Gerechtigkeit, Wohltätigkeit. Ein wunderbares Bild – Erst müssen wir uns aufmachen, dann wird aber auch Gott geben. Das „Regnen“ im Urtext kann man übrigens auch als „Lehren“ übersetzen. Dann liest sich der Text noch deutlicher: Sucht, studiert Gott, dann wird er uns Gerechtigkeit lehren.

Saat, Ernte und Pflug wählen, sorgfältig beobachten und dann beherzt handeln, das ist eine Kunst für sich. Lasst uns anfangen, mit Gott, es ist Zeit.